Über männliche und weibliche Spiritualität

Vor kurzem hatte ich einen Beitrag darüber veröffentlicht, wie ich meine eigene weibliche Spiritualität fand. Offenbar ist das gerade ein Thema, das nicht nur mich beschäftigt und berührt. Am Montag sprach Philip Carr-Gomm im Live-Chat „Tea with a Druid“ darüber und verfasste noch einen längeren Blogpost auf seinem eigenen Blog.

Philip ruft uns alle dazu auf die Begriffe „männlich“ und „weiblich“, gerade im Bezug der Spiritualität, fallen zu lassen. Sie wären hinderlich und würden falsche Annahmen beinhalten. Zuerst fand ich den Gedanken seltsam, denn ich fühle mich gerade sehr wohl damit, meine Weiblichkeit zu finden. Und dann fragte ich mich: „Warum muss ich, als Frau, meine Weiblichkeit wiederfinden?“

Natürlich ist das Blödsinn. Ich habe das doch alles in mir. Was mich daran hindert, meine weibliche Spiritualität zu leben, bin nur ich alleine. Denn ich stecke tief in gefestigten Glaubenssätze über eine negativ wahrgenommene Weiblichkeit. Sätze, die Menschen mir in sensiblen Momenten sagten, fraßen sich regelrecht in mir fest und wurden zu Mantras – leider zu schlechten.

And if we can’t find a reason to allocate our pride, courage, intellect, caring, skill, and so on to a particular gender, then let’s stop doing it. And if we want to start gendering aspects of the world outside us – of ideas and of Nature, let’s ask ourselves whether there really is any value or point in doing so.

– Philip Carr-Gomm –

Und jetzt komme ich zu der Annahme, dass Weiblichkeit und Männlichkeit als Definition gar nicht existieren würden, so wie Philip es vorschlägt. Ich stelle es mir einfach vor.

WOHW! – sofort würden alle künstlich erschaffenen, schlechten Eigenarten dieser zugewiesenen Begriffe verschwinden. Und schon hat der Zusammenhang zwischen der Intelligenz und der Weiblichkeit keinen Nährboden mehr. Plötzlich wären Menschen einfach „nur“ Menschen mit ihren eigenen individuellen Eigenschaften. Ohne zu weiblich oder zu männlich zu sein. Was generell auch total egal ist! Da erlangt das Wort „Freiheit“ eine ganz neue Bedeutung.

Modern-day Druids and Pagans have always been good at breaking free when necessary. Let’s break free of this gendering obsession!

– Philip Carr-Gomm –

Es ist wieder spannend zu sehen, wie Themen, die einen gerade selbst beschäftigen, auch andere beschäftigt. Danke Philip, für immer den Input, den ich gerade brauche.

Lebt kreativ und voller Liebe.
Lisa

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Druids-View im Ring of Kerry, Ireland.

Und weitere Gedanken, die ich gerne teilen würde:


Gedanken

Ich frage mich, warum Weiblichkeit für mich offenbar nur schlechte Eigenschaften besitzt? Und warum wird es von so vielen Menschen negativ wahrgenommen? Ist es Neid? Sind introvertiertere Frauen neidisch auf die, die ihre Weiblichkeit feiern oder diese auf natürliche Art ausleben? Mir fallen sofort Worte wie „Obszönität“ und „billig“ ein. Weiblichkeit diene nur der Manipulation von Menschen (insbesondere Männern) oder um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Schlimm finde ich auch die Aussagen wie „schöne Frauen sind nicht klug“ und „kluge Frauen sind nicht schön“. Im Prinzip: Weiblichkeit = Dummheit. Für mich persönlich ist dies ein sehr tiefsitzender Glaubenssatz – wo auch immer der herkommt. Was bitte hat Schönheit mit Klugheit zu tun? Und warum gilt das nur für Frauen?


Und zur Gender-Debatte

Ich stand dieser ganze Gender-Debatte von Anfang an kritisch gegenüber und wusste nie warum. Jetzt habe ich langsam verstanden warum mich der Gedanke, Dinge direkt männlich, weiblich oder neutral zu benennen, abstößt. Wir erschaffen uns damit ein eigenes Schubladendenken, was immer umfassender und umgreifender wird. Wenn ich mich selbst durch einen frei festgelegten Artikel eines Begriffs, z. B. DER Student, als Frau nicht angesprochen fühle, dann liegt das nicht an der deutschen Sprache. Es liegt an meinem eigenen Schubladendenken. Neue Begriffe zu erschaffen, in diesem Fall ‚Studierende‘, löst nicht das Problem, dass wir gerade haben. Es verschiebt das Problem, versucht es in den Passiv zu rücken, Konflikte zu vermeiden. Das ist sicherlich eine Methode mit Problemen umzugehen, doch wir wissen alle, dass Aufschieben in den seltensten Fällen nicht gutgeht.

7 Kommentare zu „Über männliche und weibliche Spiritualität

  1. Moin von der Ostsee,

    auch wenn der Beitrag schon etwas älter ist (ich habe gerade zuviel Zeit und stöbere daher im Netz herum) hat er mich derart verwirrt, dass ich einen Kommentar abgebe.
    Ich habe auch den Eintrag davor gelesen, in dem du vom (Wieder)finden deiner weiblichen Spiritualität schreibst. Aber irgendwie bekomme ich das alles nicht zusammen. Vielleicht liegt es daran, dass ich im Grunde keinen Zugang zum Paganismus/Schamanismus/Druidentum habe (trotz aller Sympathien), wobei Männlichkeit/Weiblichkeit ja schon beinahe universelle Prinzipien sind, unabhängig von Glaubensvorstellungen.
    Zuerst empfindest du eine Scham vor der eigenen Körperlichkeit, gar Weiblichkeit.
    Dann „findest“ du wieder zurück zu einem Einklang und bist froh über deine Weiblichkeit.
    Dann folgst du den Worten des Druiden, der meint man könne diese Unterscheidung aufgeben.
    Alles stark verkürzt, gebe ich zu.
    Natürlich ist ein Mensch an erster Stelle ein Mensch. Nicht Frau, Kind, Mann, nicht Weiser oder Narr, usw. Und wenn uns die Ausrichtung an einem Geschlecht keinen Nutzen bringt, sollten man es sein lassen. Volle Zustimmung. Aber das ist doch die Crux: wenn dich der Einklang mit deinem weiblichen Körper froh stimmt, dir Kraft und Stärke gibt, dich voran bringt – bitte nur zu! Übrigens gilt das gleiche für deinen männlichen Aspekt. Wenn er dich behindert, dann über Bord damit.
    „And if we want to start gendering aspects of the world outside us – of ideas and of Nature, let’s ask ourselves whether there really is any value or point in doing so.“
    Ja sicher gibt es diesen Wert. Wenn wir erkennen können, dass bestimmte Teile der Welt sich nach einem männlichen, andere nach einem weiblichen Prinzip richten , dass diese sich gegenseitig bedingen und in bestimmter Weise aufeinander folgen, dann ist dies ein Wert an sich. Dies ist nicht bei allen Betrachtungen gegeben, aber bei verdammt vielen.
    Und die wesentlichste Betrachtung sind dabei wieder wir selbst. Wenn wir ausblenden was in uns männl./weibl. ist, wie es sich bedingt, miteinander und gegeneinander wirkt, wie es uns prägt und uns zu dem macht wer wir sind, welch großer Verlust wenn wir die Unterscheidung aufgeben, selbst wenn sie nur genau das ist – eine Unterscheidung.

    Zuletzt noch: Intelligenz ist nicht weiblich oder männlich. Aber die Form der Intelligenz denen in unserer Zeit gehuldigt wird ist männlich. Das abstrakte, logisch-formale, das rationale Denken, im Gegensatz zum symbolischen, assoziativen, intuitiven. Wie arm ist unsere Zeit, dass wir dem Einen den Vorrang einräumen?
    Und wenn wir Frauen die schön sind die Fähigkeit zur männlichen Form des Denkens absprechen, ist dies nicht ein Armutszeugnis für alles Männliche? Wenn nur das Hässliche männlich denkt, dann ist vielleicht das Männliche schlicht hässlich.

    Mit freundlichen Grüßen,
    der Paul

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Paul,

      danke auch für diese Gedanken.
      Ja, es gab eine kurze Zeit, in der ich erkannte, dass ich meine weibliche Seite vernachlässige. Aber dies geschah nur, weil ich sie als explizit weiblich definierte. Also kurz: meine Beliefs waren „zu viel Weiblichkeit ist obzön“ oder „Frausein bedeutet klein und zerbrechlich zu sein“. Da ich das nicht wollte, versuchte ich alle mir eingeimpften ’negativen‘ Seiten der Weiblichkeit zu verbannen. Ich bin aber körperlich nicht gerade zierlich und kann meine Weiblichkeit eigentlich gar nicht verbergen. Deswegen verbog ich mich.
      Nun geht es mir nicht mehr darum extrem Weiblich zu sein, also alles umzukehren, was ich bin. Sondern ich versuche einfach ICH zu sein. Ohne männliche und weibliche Eigenschaften. Einfach ’nur‘ ich. Ohne darüber nachdenken zu müssen ob z.B. dieses eine Kleid meine Weiblichkeit hervorbringt, oder diese camouflage Hose mich männlich macht. Ich trage Kleidung, die mich glücklich macht, in der ich mich schön, sexy, geborgen oder was auch immer fühle.
      Und so geht das mit allen Dingen. Ich esse Salat, weil er mir schmeckt, nicht weil Frauen ihn essen. Ich liebe es fetttriefende Burger zu essen, dazu ein Bier zu trinken und danach zu rülpsen. Ja, das ist vielleicht nicht appetitlich, aber ich fühle mich danach glücklich. Und bin dadurch nicht weniger weiblich.

      Der eine Schritt führte also zum anderen. Und für mich musste es auf diese Weise geschehen, so scheint mein Weg zu sein. Denn ohne den ersten Schritt hätte ich vermutlich den anderen nicht gefunden. Warum ich diese Unterscheidung als so krass empfunden habe kann ich nicht sagen. Aber es fällt mir immer mehr auf, wie sehr dies schon in kleine Kinderköpfe transferiert wird. Ob durch Beliefs der Eltern oder Bezugspersonen oder durch Werbung oder etwas anderes, kann ich nicht sagen. Und da kann ich auch nur von meinen Erfahrungen sprechen und von dem was ich beobachten kann.

      Und ja, es ist ein Teufelskreis. Männlich/Weiblich ist eine biologische Gegebenheit. Dass dadurch einige verschiedene körperliche Eigenschaften auftreten ist natürlich. Aber muss dieser Unterschied auch in einer bestimmten Form des Denkens auftreten? Oder kommt das eher durch andere Umstände zustande? Diese Gedanken können ewig so weitergehen und driften schnell in Vorwürfe ab. Da ich dieser Debatte nicht hinzuspringen will, bleibe ich lieber bei meinen persönlichen Ansichten mir gegenüber. Da habe ich noch genug aufzuräumen. 😉

      Sind meine Gedanken etwas klarer geworden? 🙂
      Lebe kreativ und voller Liebe.
      Lisa

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  2. Und nochmal Hallo!

    Ich hätte das fast überlesen, aber es ist ja auch schon spät. Ja die Gedanken sind um einiges deutlicher geworden und passender.

    „[…] ich versuche einfach ICH zu sein.“

    Yeah! Das ist Es. Wenn Du das schaffst, bist Du mir weit voraus. Mensch, werde was du bist.
    Ich glaube übrigens tatsächlich, dass dies für Frauen schwieriger ist. Die Bilder wie frau zu sein hat sind präsenter, deutlicher und viel schwieriger abzulegen. Das sehe ich bei meinen 3 Töchtern, es ist ungemein schwierig Ihnen andere Vorbilder an die Hand zu geben als Prinzessinnen, Feen und Barbie.
    Aber wenn wir es schaffen, uns selbst treu zu bleiben und dabei noch den Funken einer Idee davon haben, wer wir eigentlich sind, öffnet sich uns der Himmel.

    Zu später Stunde,
    der Paul

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