Der quâtspreche im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg

Vor ein paar Wochen war ich bei einer Führung im Archäologischen Landesmuseum in Brandeburg an der Havel mit dem Namen: Von Göttern und Götzen – Glaubensvorstellungen im Wandel der Zeit.

Hier habe ich davon berichtet:

Obwohl es hier beim quâtspreche langsam so aussieht, als würde ich nur noch Bücher lesen und rezensieren, passiert drum herum doch so einiges. An einem wunderschönen Sonntag bin ich von Berlin mit der Bahn nach Brandenburg an der Havel gefahren, denn im dortigen Archäologischen Landesmuseum gab es eine Sonderführung mit dem Titel „Von Götter & Götzen – Glaubensvorstellungen im Wandel der Zeit“.

Die Fahrt dauerte 50 Minuten und die liebe Janin, die hier auch schon eine Rezension veröffentlichte, begleitete mich. Vom Bahnhof waren es 10 Minuten Fußweg zum Museum, welches idyllisch auf einer Insel in der Innenstadt liegt. Das Archäologische Landesmuseum belegt die modernisierten Räumlichkeiten des Pauliklosters, das sich mit seinen hohen Backsteinwänden aus dem 14. Jahrhundert eindrucksvoll dem blauen Himmel entgegenreckte.

Die Sonderführungen beginnen meistens um 15 Uhr, so dass wir noch drei Stunden Zeit hatten uns die beeindruckende Dauerausstellung anzusehen. Die Räume sind wunderbar modern und frisch gestaltet. Das Auge hat immer wieder andere Einflüsse und Eindrücke und die Extrainformationen sind zwar etwas versteckt, sobald ich jedoch begriffen hatte, wie sie zu finden sind, erschloss sich noch eine weitere Möglichkeit der Informationsaufnahme – wenn ich Lust dazu hatte.

Bildquelle: Webseite des Archäologischen Landesmuseum, Quelle.

Die Funde in Brandenburg erstrecken sich von der Altsteinzeit (130 000 Jahre v. Chr.!!!) über die Bronzezeit (2000 – 800 Jahre v. Chr.) und das Mittelalter (500 – 1500 Jahre n. Chr.) bis in die Neuzeit (bis heute). Dabei fällt mir erneut auf, wie sehr die Zeitwahrnehmung damit beeinflusst wurde, dass irgendjemand plötzlich meinte bei Null mit der Jahreszählung neu zu beginnen. Von dem Jahr Null bis heute ist genau so viel Zeit vergangen, wie davor zur Bronzezeit. Ich finde diesen Aspekt immer wieder erstaunlich und auch, das wir so wenig darüber wissen, wie es den Menschen damals wirklich ging, was sie taten, wie sie sprachen oder wie sie ihre Umwelt wahrnahmen.

Sehr eindrucksvoll fand ich zum Ende der Ausstellung das Erdschichtenmodell „Stratorama“, das alle Epochen einfängt und aus Sicht der Archäologie darstellt. Die wunderbaren Details sind großartig dargestellt, vom slawischen Körpergrab, über einen versteckten Münzschatz in einem Keramikgefäß, bis hin zu der zugeschütteten Kellernische aus der Kriegszeit des letzten Jahrhunderts.


https://fatimadjamila.files.wordpress.com/2016/11/neolitiska-evolutionen-trepaneringsritualen-rand.jpg?w=273&h=391
„Neolitiska Evolutionen (Trepaneringsritualen)„, Kunst von Fatima, Quelle: fatimadjamila.wordpress.com
Bildquelle: Webseite des Archäologischen Landesmuseum, Quelle.

Die Sonderführung wurde von der bezaubernden Fatima Wollgast gestaltet. Sie leitete uns durch die Jahrtausende, schaffte Kontext und ein wenig Hintergrundwissen und machte uns auf die Kleinigkeiten und Unterschiede aufmerksam.

Vor allem wies sie darauf hin, dass viele Erkenntnisse aus Interpretationen der Archäologen bestehen (was ich nicht oft genug betonen kann!). Einiges davon mag der Wahrheit nahe kommen, jedoch kann keiner sagen wie nahe.

Spannend finde ich die Vermutung, dass die Höhlenmalereien von Jagdszenen als Glückszauber angesehen werden. Als eine Art von Wunschdenken und Visualisierung um das zu bekommen, was man will. (Ist das nicht auch die Art und Weise der Superreichen noch reicher zu werden? xD)

Und beeindruckend fand ich den einen mittelsteinzeitlichen Knochenfund einer Frau, an deren Schädel einige gleichartige Hirschknochen gefunden wurden. Fatima zeigte uns zum Vergleich ein Bild der Schamanin von Bad Dürrenberg. Offenbar gab es zu dieser Zeit einige weibliche Skelette, die verschiedene tierische Knochen um ihren Körper trugen oder damit begraben wurden. Sie werden von der Forschung ‚Schamanen‘ genannt, denn die Grabbeigaben sind recht ungewöhnlich. Die bildliche Rekonstruktion der Schamanin machte mich sprachlos und nachdenklich.

Die Frau wurde mit verschiedensten Tierknochen begraben: Biber, Hirsch, Kranich, Reh, Wildschwein, Wisent, Panzerbruchstücke von Sumpfschildkröten und Muschelschalenreste. Bildquelle: Testudowelt.

Die komplette Sonderführung war meiner Meinung nach ein voller Erfolg. Sie war informativ, kreativ und nicht zu lang. Es durften jederzeit Fragen gestellt werden, die Fatima Wollgast seriös beantworten konnte. Ich war rundum zufrieden und fahre gerne wieder ins schöne Brandenburg an der Havel.


Funfact: Nach der Führung kam eine weitere Besucherin zu mir und fragte mich, ob ich evtl. eine schamanistische Ausbildung machen möchte. Ich war so verdattert, denn noch nie hat mich jemand Fremdes auf dieses Topic angesprochen, dass ich nur ablehnte. Ich war leider zu perplex und nicht schnell genug. Wenn du das hier zufällig lesen solltest: Bitte melde dich noch mal bei mir. 🙂


Originalbeitrag: Von Göttern und Götzen – eine Themenführung im Archäologischen Landesmuseum von Brandenburg — der quâtspreche

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